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15.03.2019

GENDERWAHNSINN? GENDERIGNORANZ!

Der Lyriker Günter Kunert, der Journalist Wolf Schneider und der Kabarettist Dieter Nuhr haben schöne und kluge Texte verfasst. Sie bereicherten mein Leben damit bisher – nun aber lassen sie mich fassungslos zurück. Warum? Die drei Herren haben sich einem windigen Verein Ewiggestriger angeschlossen, reden vom "Gender-Unfug" und polemisieren öffentlich gegen die Gleichstellung von Frauen und Diversen in der deutschen Sprache. Dabei schrecken sie nicht davor zurück, von Vergewaltigung zu reden – und verhöhnen auf diese Weise auch noch alle Opfer dieses Straftatbestands. Ich verstehe jeden, dem das Thema Gendern zu akademisch und zu kompliziert ist, denn dabei treffen Wissenschaft und (ursprünglich) politischer Feminismus aufeinander, um neue Wege der Gleichstellung der Geschlechter zu finden. Wer sich allerdings gedanklich einarbeitet, kann das mit etwas gutem Willen bald nachvollziehen. Leider beurteilt die Öffentlichkeit dieses Sujet bevorzugt aus dem Bauch heraus, also ziemlich emotional. Die einen finden Sternchen im Wort doof, die anderen weigern sich gleich, ihr Sprachverhalten infrage zu stellen. Alles individuell okay, darüber kann man reden, niemand wird zu irgendetwas gezwungen. Es gibt weder Sprachpolizei, noch "Feminazis" – und damit auch keinen rationalen Grund für das Geheul und die Häme der entfesselten Meute, wie sie sich etwa in zahlreichen Facebook-Posts zigtausendfach zeigen. Dass nun intellektuelle und verdiente Spracharbeiter die Gender-Thematik ebenso provokant wie ignorant auf Einzelaspekte verkürzen, sie ins Lächerliche ziehen, sich an die Massen heranwerfen und sich noch nicht einmal zu schade dafür sind, das Lied von rechten Populisten zu singen: das macht mich heute sprachlos. 1982 habe ich meine erste Staatsexamensarbeit zum Thema "Linguistik und Feminismus – mit einer Untersuchung zur Sprache über Prostitution" geschrieben. 1984 erschien das Buch "Alma Mater und Konsortinnen" der Frauenforschungsgruppe Bonn. Darin findet ihr meine Vorlesung über "Unterdrückung von Frauen in Sprache und Sprechen". Ich habe lange nicht mehr daran gedacht, glaubte, das Thema sei erledigt. Was für eine Illusion! Vorlesung "Unterdrückung von Frauen in Sprache und Sprechen" >>> PS: Unternehmen sind mehr denn je gefordert, eine Haltung zum Gendern einzunehmen. Unter den zahlreichen Ansätzen gibt es auch solche, die ohne Sternchen auskommen.

 

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CORNELIA SAUER

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